Unternehmens­bewertung

In der modernen Lehre der Unternehmensbewertung hat sich die herrschende Meinung etabliert, dass der theoretisch richtige Unternehmenswert allein aus der Fähigkeit des Unternehmens resultiert, finanzielle Überschüsse zu erwirtschaften.

Durch eine aussagefähige und belastbare Unternehmensplanung kann die Unternehmensbewertung besser begründet werden, sodass in einem strukturierten M&A Prozess die Wahrscheinlichkeit auf einen erfolgreichen Verkauf oder Kauf steigt und das zu erzielende Ergebnis verbessert werden kann.

Definition

Als Unternehmensbewertung bezeichnet man das ganzheitliche Verfahren zur Wertermittlung eines Unternehmens. Die Unternehmensbewertung umfasst eine Vielzahl von Bewertungsmethoden, die sich grundsätzlich in Substanzwert-, Ertragswert- und Multiplikatormethode zusammenfassen lassen.

Die verwendeten Methoden können je nach Unternehmen und Branchen variieren. Die Unternehmensbewertung wird sowohl extern für die Ermittlung des Kaufpreises bei Kauf oder Verkauf eines Unternehmens, als auch intern zur wertorientierten Unternehmensführung  eingesetzt. Sie dient dabei beispielsweise als Grundlage für Entscheidungen der Unternehmensstrategie, der Leistungsbeurteilung von Führungskräften sowie der nachhaltigen Wertentwicklung des Unternehmens.

Quelle: Vgl. Gabler Wirtschaftslexikon, Drukarczyk J. (2003)

Methoden der Unternehmensbewertung

Inhaltliche Beschreibung

Was ist ein Unternehmen eigentlich Wert? Diese Frage stellt sich Unternehmern besonders dann, wenn der Verkauf des Unternehmens, die Nachfolgeregelung oder ein Finanzierungsgespräch bei der Hausbank anstehen.

Die Bewertung eines Unternehmens zählt jedoch zu den schwierigsten betriebswirtschaftlichen Themen, mit denen sich Unternehmer in der Praxis auseinandersetzen müssen. Bei der Vielzahl der vorhandenen Bewertungsmethoden steht im Mittelpunkt jedoch immer die Ermittlung des Marktwertes des Eigenkapitals.

Allgemein lassen sich die Methoden zur Unternehmensbewertung in zwei Verfahren gruppieren, die Einzelbewertungsmethoden und die Gesamtbewertungsmethoden. Dabei zeigen die Methoden zur Einzelbewertung den gegenwärtigen Wert des Unternehmens auf, wobei hier zukünftige Entwicklungen nicht berücksichtigt werden. Bei den Methoden zur Gesamtbewertung werden hingegen keine Einzelwerte von Vermögen oder Schulden berücksichtigt. Hier liegt der Fokus auf den finanziellen Vorteilen des Unternehmenseigners im zeitlichen Verlauf. Daher sind in diesem Fall Prognosen zur zukünftigen Entwicklung des Unternehmens notwendig. Einen Teil der Gesamtbewertungsmethoden bilden hier auch die Multiplikationsverfahren, welche eine Einsicht über den Unternehmenswert im Branchenvergleich ermöglichen.

Aufgliederung nach Einzel- und Gesamtbewertungsmethoden:

Einzelbewertungsmethoden:

  • Liquidationswertmethode
  • Reproduktionswertmethode

Gesamtbewertungsmethoden:

  • Ertragswertorientierte Ansätze
    • Ertragswert-Methode nach IDW
    • DCF - Methode
      • Equity - Methode
      • Entity - Methode
      • APV - Methode
  • Multiplikatoren-Methode
    • Marktwertorientierte Ansätze
    • Börsenkursvergleich

Quelle: Vgl. Magazin Creditreform Ausgabe 08/2017, LucaNet Simply Intelligent Ausgabe 03/2015,
Exler Markus (2013) Bewertung und Verkauf mittelständischer Unternehmen

Ist eine Unternehmensbewertung durchzuführen

so stellen sich die Fragen:

  • Welche Methode soll angewendet werden?
  • Wie einfach soll die Unternehmensbewertung sein?
  • Hält meine Planung einer kritischen Prüfung eines potentiellen Erwerbers stand?
  • Welche Daten und Informationen stehen für die Bewertung zur Verfügung (Bilanzen, Planungen, Cashflows)?
  • Welcher Multiple oder Zinssatz ist argumentierbar?
  • Habe ich stille Reserven im Unternehmen?
  • Welche Korrekturen sind in den vorliegenden Datengrundlagen nötig?
    • Welche sind die neutralen Aufwände/Erträge als betriebsfremde, periodenfremde, außerordentliche oder bewertungsbedingte Aufwände/Erträge?
    • Kalkulatorische Kosten als Unternehmerlohn, insb. bei Personengesellschaften; Miete, insb. bei getrennter Besitzgesellschaft; Abschreibungen, insb. bei Begünstigungen des EStG; Zinsen sowie Wagnisse?
    • Welches sind die Sondereffekte wie Restrukturierungskosten sowie Gewinne/Verluste aus dem Abgang von Vermögensgegenständen?

Mergers & Acquisitions

Die Unternehmensbewertung ist ein wesentlicher Teil in einem strukturierten M&A- oder Nachfolge-Prozess.

Finden Sie hier Antworten darauf, welche Bewertungsmethoden bei der Veräußerung herangezogen werden können und welche Phasen und Prozessschritte es bei einem Unternehmensverkauf zu beachten gilt.

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Vorgehen

1. Zweck der Unternehmensbewertung

Zu Beginn einer Unternehmensbewertung stellt sich die Frage nach dem Grund der Bewertung. Unternehmensbewertungen erfolgen u.a. bei der Nachfolgeplanung, dem Unternehmensverkauf oder auch der Liquidation des Unternehmens. Das Ziel der Unternehmensbewertung ist, das Unternehmen einem gerechtfertigten Wert gegenüber zu stellen. Ist der Grund für die Bewertung die Auflösung des Unternehmens, so wird meist eine Substanzwertmethode eingesetzt. Damit werden die zu erzielenden Verkaufspreise der vorhandenen Assets ermittelt, um diese zum aktuellen Zeitwert veräußern zu können. 

Bei der Veräußerung eines Unternehmens oder von Gesellschaftsanteilen spielen die bereits realisierten und zu erwartenden Gewinne bzw. Wertsteigerungen eine ausschlaggebende Rolle. Der Bewertungsansatz richtet sich somit nicht nur nach der Historie, sondern auch nach dem geplanten weiteren Verlauf des Unternehmens.

2. Analyse IST-Daten und Unternehmensplanung

Als erster Schritt der Bewertung findet, unabhängig von der Bewertungsursache, eine Analyse der IST-Daten im Unternehmen statt. Ist das erklärte Ziel der Einstieg eines Gesellschafters oder der Verkauf an einen Investor, so wird die Bewertung um eine Geschäftsplanung mit den bereinigten Geschäftsergebnissen erweitert. Die Grundlage der Unternehmensbewertung bildet hier somit eine Integrierte Unternehmensplanung. Zu bereinigende Werte sind hier vor allem außerordentliche, periodenfremde oder betriebsfremde Ereignisse sowie einmalige Vorgänge. 

3. Auswahl der Bewertungsmethoden

Ist das erklärte Ziel der Unternehmensbewertung die Auflösung bzw. Liquidation des Unternehmens, so wird dieses nach einer der o.g. Einzelbewertungsmethoden bewertet. Bei der Nachfolgeplanung oder dem Verkauf an einen Investoren, werden Methoden auf Basis der Gesamtbewertung durchgeführt. 

Übliche Methoden sind hierbei die genannten ertrags- oder marktwertorientierten Ansätze. Die Discounted-Cashflow Methode (DCF) ist dabei aufgrund der vielen benötigten Parameter eine der komplexeren Bewertungsmethoden, welche jedoch die geläufigste Methode für Investoren bei Kaufentscheidungen darstellt. Die Multiplikatorenmethode findet in der Praxis v.a. im Bereich der Veräußerung kleinerer mittelständischer Unternehmen, aufgrund der pragmatischen Handhabung, eine häufige Verwendung. Jedoch wird diese Bewertungsmethode von Wirtschaftsprüfern und Banken oft als unseriös eingestuft. Letztere halten häufig noch an der etwas konservativen Ertragswert-Methode fest. Dabei wird auf Grundlage der zukünftig erwarteten Ertragskraft der finanzielle Nutzen für den künftigen Eigentümer ermittelt.

4. Berechnung und Plausibilisierung des Unternehmenswerts

Sind die notwendigen Bewertungsmethoden ausgewählt, wird in der Folge die Berechnung des Unternehmenswertes durchgeführt. Grundlegend erzielen lt. Theorie alle erwähnten Bewertungsmethoden unabhängig voneinander vergleichbare Werte. Jedoch empfiehlt sich in der Praxis, die verwendete Methode durch mindestens eine weitere Methode zu plausibilisieren. 

Der "richtige" Unternehmenswert wird nicht gerechnet werden können, was dazu führt, dass mit der Verwendung mehrerer Bewertungsmethoden und sich ergebender Unternehmenswerte nur ein Wertekorridor ermittelt werden kann. Innerhalb dieses Wertkorridors bewegen sich i.d.R. die Verhandlungen die in ihrem Ergebnis zu einem Einigungswert als Veräußerungspreis führen, zu dem Käufer und Verkäufer bereit sind, eine Transaktion abzuschließen.

Quelle: Vgl. Exler Markus (2013) Bewertung und Verkauf mittelständischer Unternehmen