Bilanz­planung

Wussten Sie, dass nur 58% der Unternehmen auch die Bilanzentwicklungen planen und damit nur eine eingeschränkte Sicht auf Working Capital, Eigenkapitalquote und eine ausgewogene Finanzierungsstruktur entwickeln können?

Definition

Die Bilanzplanung umfasst die Entwicklungen von Aktiva und Passiva, bzw. Vermögen und Schulden eines Unternehmens. Die Planbilanz ist ein Teil der integrierten Geschäftsplanung und beinhaltet im Wesentlichen die Veränderungen von Anlage- und Umlaufvermögen sowie Eigen- und Fremdkapital.

Die Bilanzplanung ist für eine vollständige und gesamtheitliche Unternehmensplanung unumgänglich, da sie einen wesentlichen Faktor der Liquiditätsentwicklung darstellt.

Quelle: Vgl. Gabler Wirtschaftslexikon

Einflussgrößen auf Aktiva und Passiva in der Bilanzplanung

Inhaltliche Beschreibung

Ein wesentlicher Teil der gesamtheitlichen integrierten Planung ist die Bilanzplanung. Bei der Bilanzplanung werden in erster Linie die Veränderungen und zukünftigen Entwicklungen von Vermögen und Kapital des Unternehmens betrachtet. Dabei beschreibt die Aktiva die Verwendung der Mittel und die Passiva deren Herkunft. Ziel und Zweck der Bilanzplanung ist es u.a. die Vermögens- und Kapitalstruktur des Unternehmens jeden Monat mit der Qualität des Jahresabschlusses abzubilden. Hierfür gilt es die notwendigen organisatorischen Abläufe und Prozesse im Unternehmen zu schaffen.

Des Weiteren ist eine Bilanzplanung wichtig, um im Falle einer Finanzierung, sowohl von Seiten der Banken als auch von Seiten des kreditnehmenden Unternehmens, die möglichen Risiken besser einschätzen zu können. So ist es beispielsweise auch Ziel und Anforderung von Basel II bzw. Basel III, die möglichen Kreditrisiken besser einschätzen zu können, um sowohl bei den Banken als auch bei den Unternehmen für mehr Stabilität zu sorgen. Der Einsatz einer zertifizierten und branchenunabhängigen Standardsoftware kann dabei unterstützen.

Wesentlich für eine aussagekräftige Bilanzplanung sind u.a. folgende Positionen und Anforderungen:

  • Planung von Investitionen und Desinvestitionen je Anlagegut
  • Vorratsplanung, insbesondere die Bewertung von Halbfertigen und der dafür erhaltenen Anzahlungen
  • Berechnung von Forderungen und Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen über Zahlungsziele DSO und DPO
  • Planung der Eigenkapitalstruktur, ggf. unter Berücksichtigung von Privatentnahmen oder -einlagen
  • Planung von Verbindlichkeiten ggü. Kreditinstituten mit einem Darlehensspiegel inkl. Neuaufnahmen und Tilgungen
  • Aufstellung eines Rückstellungsspiegels mit Darstellung und Planung der relevanten Veränderungen, insbesondere der damit in der Zukunft zu berücksichtigenden Zahlungsflüsse
  • Berücksichtigung von Rechnungsabgrenzungsposten zur periodengerechten Darstellung von Aufwand und Ertrag
  • Darstellung von Forderungen und Verbindlichkeiten ggü. verbundenen Unternehmen oder Gesellschaftern

Quelle: Vgl. Haufe, Wikipedia, Manager-Magazin

Bilanzplanung

so stellen sich die Fragen:

  • Gibt es eine Investitionsplanung und sind die Investitionen in einem vernünftigen Verhältnis zur Abschreibung?
  • Wie werden mögliche Desinvestitionen geplant?
  • Existiert eine Bewertungsgrundlage für Lagerbestände, wie ist die angenommene Verbrauchsfolge?
  • Für Unternehmen im Projektgeschäft, werden die halbfertigen Leistungen periodengerecht -richtig ausgewiesen?
  • Welche Zahlungsziele (DSO / DPO) sind für die Planung von Forderungen bzw. Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen heranzuziehen?
  • Bei den sonstigen Vermögensgegenständen, sind diese belastbar liquiditätswirksam?
  • Ist die Eigenkapitalquote "ratingkonform"?
  • Gibt es Privatentnahmen oder -einlagen im Unternehmen, sind diese angemessen?
  • Wie verändern sich die Rückstellungen zukünftig und sind im Plan weitere Rückstellungen zu bilden?
  • Ist die Fremdfinanzierungsstruktur angemessen zur Fristigkeit der Mittelverwendung auf der Aktivseite?
  • Mit welchen Konditionen werden bestehende Darlehen geplant und sind Neudarlehen zu berücksichtigen?
  • Sind Rechnungsabgrenzungsposten zu planen?
  • Mit welchen Steuersätzen und Zahlungsmodalitäten sind Steuern eingeplant?

Unternehmensplanung und Controlling

Hier zeigen wir Ihnen die Bereiche auf, die im Zuge der Bilanzplanung auf die Integrierte Planung einwirken. Erfahren Sie wie die Invesitionsplanung oder Darlehensplanung für die Bilanzplanung berücksichtigt werden kann.

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Vorgehen

1. Planung von Forderungen und Verbindlichkeiten

Auf Basis der in der GuV geplanten Umsatzerlöse, Materialaufwendungen und Sachkosten werden die Forderungen und Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen berechnet. Dazu werden sowohl Erlöse als auch Kosten über Zahlungsziele abgeschichtet und sind damit je nach Zahlungsziel als Forderung oder Einzahlung auf dem Bankkonto zu planen. Werden beispielsweise 100 T€ Monatsumsatz mit 30 Tagen Zahlungsziel hinterlegt, so sind am Ende des Monats 100 T€ Forderungen LuL einzuplanen. Entscheidend ist hierbei immer die Frage wann das Geld vom Kunden kommt bzw. wann der Lieferant bezahlt werden muss.

Ebenfalls wichtig für die Planung ist die Berücksichtigung der aktuell gebuchten Ist-Stände an Forderungen und Verbindlichkeiten für die Abschichtung der Zahlungen im Bilanzplan.

2. Investitions- / Desinvestitionsplanung

Auf Grundlage des aktuellen Anlagespiegels werden mögliche Neu- oder Ersatz-Investitionen begründet. Hierbei sind alle Investitionen auf Ebene der Anlagegüter mit jeweiliger Nutzungsdauer und ggf. notwendigem Steuersatz zu planen. Über die zugehörige Nutzungsdauer können auch die für die Planung notwendigen Abschreibungen ermittelt werden. Im Weitern sind die Zahlungskonditionen der geplanten Investitionen einzuplanen.

Sollte es neben Investitionen auch Desinvestitionen geben, so sind auch diese zu berücksichtigen. Hierbei ist sowohl der Zeitpunkt der Veräußerung als auch der letzte Buchwert und der Verkaufspreis des Anlageguts wichtig. Somit können neben den Bilanzeffekten (z.B. Aktivtausch über Verkauf zu Buchwerten) auch die GuV-Effekte dargestellt werden.

3. Planung von Vorräten und Anzahlungen

Bei der Planung des Umlaufvermögens ist ein wesentlicher Teil die Planung der Vorräte. Dabei sind lagernde Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe und Fertige Erzeugnisse zu berücksichtigen. Hierfür sind die lagernden Artikel zahlenmäßig zu erfassen und zu bewerten, sowie zukünftige Veränderungen einzuplanen.

Ebenfalls sind mögliche Halbfertige Produkte oder Projekte zu bewerten und zu planen. Dies ist v.a. im Projektgeschäft, beispielweise in der Baubranche oder im Maschinen- und Anlagenbau, notwendig. Dabei gilt es die laufenden Projekte nach aktuellen Herstellkosten zzgl. entsprechender Aufschlagsätze zu bewerten, um diese bilanziell erfassen zu können. In diesem Zusammenhang ist auch die Planung von Erhaltenen Anzahlungen für erbrachte aber noch nicht schlussgerechnete Leistungen zu berücksichtigen.

4. Darlehensplanung

Für die Planung der langfristigen Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten sind zum einen die bestehenden Darlehen und zum anderen mögliche notwendige Neudarlehen zu berücksichtigen.

Für die Planung der bestehenden Darlehen ist, sofern nicht vorhanden, ein Darlehensspiegel zu erstellen. Dieser enthält i.d.R. die Konditionen der Darlehen, wie Zinssatz, Tilgung, Darlehensart, Zins- und Tilgungsmodus sowie weitere Parameter. Auch für die geplanten Neudarlehen sind die genannten Konditionen sowie der Auszahlungszeitpunkt zu definieren. Aufgrund dieser Parameter sind anschließend die Bestands- und Neudarlehen in die Bilanz über Neuaufnahmen und Tilgungen einzuplanen.

5. Rückstellungen

Neben den Verbindlichkeiten stellen Rückstellungen einen wesentlichen Teil der Fremdkapitalstruktur dar. Hierbei sind in der Planung i.W. Rückstellung für Pensionen, Steuern und Sonstige Rückstellungen zu berücksichtigen. Pensionsrückstellungen sind zu bilden, wenn das Unternehmen eine verpflichtende Versorgungszusage an seine Arbeitnehmer gibt. Hier ist allerdings zu beachten, dass ein Arbeitgeber einem Arbeitnehmer Leistungen nach dem Betriebsrentengesetz schriftlich zusagen muss, damit er Pensionsrückstellungen bilden kann. Ist dies der Fall, ist die Bildung bzw. auch Auflösung entsprechender Rückstellungen zu planen. Steuerrückstellungen sind zu bilden und auch planerisch zu berücksichtigen, sofern die Steuern während des Geschäftsjahres entstanden sind aber in ihrer exakten Höhe noch nicht feststehen. Im Bereich der sonstigen Rückstellungen sind im Plan alle weiteren Rückstellungen zu berücksichtigen. So sind ggf. Rückstellungen für Gewährleistung, Abschluss und Prüfung, drohende Verluste, Prozesskosten oder auch für Urlaub und Überstunden einzuplanen.

6. Rechnungsabgrenzung

Um den Erfolg eines Unternehmens selbst dann periodengerecht ermitteln zu können, wenn Geschäftsvorfälle mehrere Buchungen erfordern und diese unterschiedliche Rechnungsperioden betreffen, ist eine Abgrenzung notwendig. Dabei gibt es sowohl Aktive (ARAP) als auch Passive Rechnungsabgrenzungsposten (PRAP).

Eine ARAP ist zu planen und zu buchen, sofern die Zahlung bereits in einer Periode vorab geleistet wurde, der Aufwand allerdings erst später auftritt. Wenn beispielsweise für eine Miete eine Vorauszahlung geleistet wird, ist für den Mietaufwand eine Aktive Rechnungsabgrenzung zu bilden.

Eine PRAP beschreibt dagegen Erträge deren Einzahlung bereits vorab erhalten wurde. Das ist der Fall, wenn beispielweise ein Jahresbeitrag kundenseitig bezahlt wurde, die Leistungen dazu aber erst noch zu erbringen sind.

7. Intercompany- und Gesellschafter-Themen

Im Zuge der Bilanzplanung sind Forderungen und Verbindlichkeiten sowohl gegenüber verbunden Unternehmen (Intercompany) zu berücksichtigen und einzuplanen, als auch gegenüber Gesellschaftern. Im Bereich der verbundenen Unternehmen ist für bestehende Darlehen zu prüfen ob es regelmäßige Tilgungen bzw. Zahlungen gibt, welche somit zu planen sind. Außerdem ist zu klären ob und wenn ja welcher Kapitaldienst ggü. den Gesellschaftern einzuplanen ist oder ob es sich ggf. um Darlehen mit Rangrücktritt handelt.

8. Privat Entnahmen und Einlagen

Sofern es sich bei dem Unternehmen um eine Personengesellschaft handelt, sind Entnahmen oder Einlagen aus dem Privatbereich zu berücksichtigen. Im diesem Fall sind Gehälter oder sonstige regelmäßige (monatliche) oder auch unregelmäßige Zahlungen an den Unternehmer einzuplanen. Wichtig zu berücksichtigen ist, das Entnahmen stets das Eigenkapital mindern, allerdings nicht den Gewinn der Gesellschaft.